Männer
Am Ende dieses Tales stehen vergletscherte Berge. Das ist das Quellgebiet des Bartang. Ich mag dieses Bild, weil man darauf sieht, wie die alluvialen Ablagerungen entstehen.

22 km unterhalb ist die Engstelle, von der aus der Rückstau in das Tal davor entsteht.

600 m hoch über dem Tal wohnt er. Hätte ich geahnt, dass dieser Post „Männer“ entsteht, dann hätte ich ihn nach seinem Namen gefragt. Hätte, hätte Fahrradkette. So kann ich ihn nur Hirte nennen. Ich habe sogar abgelehnt, einen Tee mit ihm zu trinken, weil ich Minuten vorher aufgebrochen bin und nicht wieder einen Stopp machen wollte. Er wohnt hier mit seiner Frau und seinem Sohn.

Zwei Tage später kam ich in Nisur an. Hier waren erstaunlich viele Menschen unterwegs, die offensichtlich alle mit einem Auto gekommen waren. Von einem jungen Mann erfuhr ich, dass der Arzt des Ortes am Tage zuvor gestorben war und deshalb die Menschen gekommen sind. Er bot mir an, dass ich mein Fahrrad im Haus eben dieses Arztes abstellen könnte. Dort traf ich Daler. Auch er war ein Verwandter des Arztes. Arztfamilien sind gebildet. Deshalb konnte er recht gut Englisch. Das erleichterte die Kommunikation. Er durchstöberte mit Interesse meine Bilder. Ich fragte, wie viel Vieh der Arzt besitzt. Die Zahl erfuhr ich nicht, aber ich erfuhr, dass das Vieh des Arztes oben in den Bergen auf der Sommerweide ist und vom Hirten gehütet wird. Dessen Bild hatte er auf meinem Handy gesehen.

Schafe gibt es hier nicht, weil sie im Sommer die Wärme und im Winter die Kälte nicht vertragen. Ähnlich geht es den Rindern. Deshalb sind hier Ziegen und Yaks heimisch. Alle Tiere sind im Sommer in der Obhut des Hirten.
Ich wollte zum Sarez-See laufen. Hier in Nisur wäre der Ausgangspunkt gewesen. Ich hatte im Internet schon erfahren, dass dafür ein Permit erforderlich ist (trekking tajikistan Genehmgungen „Schutzgebiete“). Von Dahler erfuhr ich, dass ich es in Dushanbe hätte erwerben müssen. Ohne dieses Permit war kein Zugang zu diesem See möglich. Trotzdem entschied ich mich, in das nächste Dorf zu laufen. Auf der Passhöhe machte ich Pause.
Musafar holte mich ein. Er war mit seiner Mutter unterwegs, für die sie Dinge in Nisur geklärt hatten. Auch er sprach etwas Englisch. Wir liefen ein Stück zusammen. Er lud mich zu sich nach Hause ein. Da ich lieber im Zelt schlafen wollte, einigten wir uns darauf, dass ich ihn am nächsten Morgen besuche.

Die Nacht war klar. Mir gefiel, wie der Mond mit den Bergen spielte.

Am nächsten Morgen bekam ich bei Musafar wie üblich Tee, Brot und Aprikosen. In seinem Haus lebt er ohne Frau mit seinen Eltern. Seine. Schwester lebt mit ihrer Familie im Nachbardorf.
Musafar erntet im Jahr zwei Tonnen Aprikosen, für die er 20.000 Somoni = 1.800 € einnimmt. Das ist sein Jahresverdienst. Er reicht um noch ein zweites Haus zu bauen. Musafar war stolz auf seine Leistung und sichtbar zufrieden.
Futter
Glaubt man der OpenStreetMap, dann sind im Bartang Valley ausreichend Lebensmittelgeschäfte.
Das erste wäre in Savnob gewesen. Dieser Ort liegt etwas abseits der Hauptroute. Nisur, mein Ziel, war nur zehn Kilometer weiter. Es war also sinnvoll gleich bis Nisur zu fahren.
Von Murghab bis dorthin sind es 270 km ohne die Umwege nach Rangkul und Karakul.

Auf dieser Strecke kann man nichts einkaufen. Ich hatte mich mit ausreichend Lebensmitteln eingedeckt – dachte ich – Die Wanderung auf den. Urtabuz war natürlich nicht eingeplant.
Den Laden in Nisur hätte ich ohne die Hilfe eines netten jungen Mannes nicht gefunden. Ich erwartete einen üblichen Laden, trat aber in ein übliches Wohnzimmer ein, in dem Trauergäste des verstorbenen Arztes saßen. Im „Laden“ gab es zwei verschiedene Sorten Bonbons, sonst nichts. In meinen Radtaschen war Ebbe.

Ich wollte sowieso noch nach Barchidiv laufen. Dort sollte es einen guten Laden geben. Aber auch den habe ich nicht gefunden. Im Hause des Arztes und bei Musafar bekam ich etwas zu essen, so dass mein Hunger gestillt war.

10 km weiter in Yapshorv zeltete ich am Ortseingang neben einem Aprikosenbaum. Darunter lagen viele essbare Aprikosen. Mein Abendessen war gesichert.
Am nächsten Morgen fuhr ich an den Ortsausgang. Dort sollte ein Magasin sein. Ich lief einer Frau über den Weg. Meine Frage nach dem Magasin münzte sie sofort in Ihr Geschäft um. Sie lud mich in ihr Haus ein und ich bekam ein Frühstück: Tee, Fladenbrot und Süßigkeiten. Als sie sah, dass ich das Fladenbrot in den Tee tunkte, kam sie mit Tee, Milch und Butter und hielt es mir fragend hin. Ich nickte heftig. Sie strahlte, denn sie hatte erkannt, dass ich hungrig war und mich schon längstens an die ortsübliche Ernährung gewöhnt hatte. Und ich glaube, sie hatte eine Vorstellung von dem Hunger eines Radlers bekommen. Jedenfalls gab sie mir zum Abschied eine Menge Fladenbrot und Gurken mit. Letztere liegen mir ziemlich im Magen und haben 0 Kalorien. Das konnte ich ihr leider nicht klar machen. Mit 40 Somoni war ich einverstanden. Ich war immerhin satt und hatte eine Menge Brot in meinen Taschen.
Hier gibt es Futter für die Tiere, aber keines für die Menschen.

Ich fuhr noch an mehreren Magasins vorbei und fand sie nicht. Das Brot war nicht nur mein Mittag- sondern auch mein Abendessen.

Im unteren Bartang Valley ist die Natur traumhaft, aber es gibt nichts zu essen

Als ich zu diesem Magasin kam, wusste ich noch nicht, dass die letzten Kilometer asphaltiert waren und ich Rushan am Abend erreichen würde. Hier gab es alles was mein Herz und Magen begehrte. Meine Radtaschen wurden gefüllt. Das war kein Fehler, denn ich sollte drei Tage auf den Flieger warten. Danach war alles aufgebraucht.
Von Murghab bis hierher sind es 370 km!

In Rushan gönnte ich mir ein opulentes Abendessen mit Bier.
Wasser
Gab es im Wakhan und auch teilweise längs der M41 immer wieder längere Strecken ohne Wasser, so war im Bartang Valley Wasserüberfluss.
Mit Wanderstiefeln an den Füßen kam ich hier an. Die wurden durch Sandalen ohne Strümpfe ersetzt. Das war meine dauerhafte Fußbekleidung im Bartang Valley.
Schon in Murghab hatten wir über diese Stelle gesprochen. Sie gilt als die Schlüsselstelle. Wer das schafft, schafft auch den Rest.Ich bin erst mal mit Stöcken durchgegangen um die Situation zu erkunden. Es war harmlos.

Diese Stelle fand ich da schon etwas kritischer. Es gab einige tiefere Löcher, in die ich hineinstolperte. Die Strömung war anders als erwartet harmlos.
Es gibt im weiteren Verlauf eine vergleichbare Stelle. In Nisur habe ich erfahren, dass ein deutsches Paar mit dem Auto im Fluss gelandet ist. Die Menschen konnten sich retten, aber das Auto war weg. Hier sieht man am rechten Rand Steine aus dem Wasser ragen. Da kann ich mir kaum vorstellen, dass man in den Fluss gerät.
Wie tief ist das Wasser an dieser Stelle? Die Unwissenheit erzeugt erst mal ein ungutes Gefühl. Das Rad ließ sich über den schmalen Rand rechts schieben und das Wasser stand bis Mitte Wade. Harmlos.

Ich hatte etwa 5 Min nach dem Weg gesucht, da kam glücklicherweise ein Auto entgegen und dann wusste ich, wo es lang geht.
Wasser war Mehrfach am Tag unter dem Rad. Meistens konnte ich durchfahren. Aber die Füße wurden immer nass.


