An der Adria

Auf dem Weg zur Küste kam noch eine tolle Schlucht. Schluchten sin eh nicht einfach zu fotografieren und bei so trübem Wetter erst recht nicht. Deshalb gibt es nur dieses sehr mäßige Bild.
Nachdem die Autos die Eselskarren abgelöst hatten, wurde so manche enge Kurve durch einen Tunnel abgekürzt. In so einer Kurve habe ich mein Zelt aufgestellt. Wasser und Sitzgelegenheit gab es natürlich nicht. Aber das Gefühl, direkt oberhalb der Felsen zu schlafen, hat das kompensiert.

Schon in den Außenbezirken von Pescara gab es Radwege. Ihr Zustand war allerdings so schlecht, dass ich meistens auf der Straße fuhr. Das besserte sich im Stadtzentrum wesentlich. Der Weg durch die Stadt war komfortabel.

Außer entlang der Adda (Comer See bis Cassano d’Adda) und dem Tiber in Rom gab es in Italien keine Radwege. Das sollte sich nun ändern. An der Adriaküste fuhr ich einen fast durchgängigen Radweg bis Rimini. Er ist nicht ausgeschildert sondern farbig markiert. Das erfordert etwas Gewöhnung und innerorts fehlt die Markierung manchmal. Dann muss man suchen. Mit der Regel „immer Richtung Meer “ landete ich hin und wieder auf einer Mole in der Sackgasse. Da die Küstenstraße stark befahren war, nahm ich die kleinen Schwierigkeiten gerne in Kauf.

Eigentlich wollte ich noch durch diese Berge fahren. Die Schmerzen trieben mich nach Hause und im Schnee über italienische Straßen und Schotterwege zu fahren ist nun wirlich kein Vergnügen.

Abseits der Hotels fand ich an diesem verlassenen Bauernhaus ein zwar etwas schmuddeliges aber doch schönes Plätzchen mit beeindruckendem Abendhimmel. Ich war direkt am Meer. Außer dem Wellenschlag war nichts zu hören. In der Nähe fand ich einen Stuhl. Welch ein Luxus. Da hat das Abendessen gleich doppelt geschmeckt.

Radweg oder Straße?

Schon im Inntal hatte ich geschrieben, dass ich oft auf der Straße gefahren bin. Die Straße ist in jedem Fall wegen der ausgeglicheneren Höhentrassierung und der glatten Oberfläche die leichtere Version. Auf den Radwegen geht es auf und ab, oft mit großen Steigungen, und meistens auch über Schotter. Der Nachteil der Straße ist der Verkehr. Das hängt aber von vielen Faktoren ab: Jahreszeit, Wochentag, Tageszeit und Beliebtheit der Strecke. Man kann also nicht vorausplanen, ob man Straße oder Radweg fährt. Ich hatte Glück. es war so wenig Verkehr, dass die Entscheidung für die Straße einfach war.

Am Maloya Pass ging es anderthalb Stunden mit sattemTempo, perfekter Straße und wunderbaren Kehren bergab. Der höchste Genuss einer Abfahrt. Soll ich den auslassen und stattdessen auf einem bestenfalls Schotterweg extrem steil abfahren unter permanentem  Einsatz der Bremsen? Ich meine „nein“.

Am Maloya Pass ging es anderthalb Stunden mit sattemTempo, perfekter Straße und wunderbaren Kehren bergab. Der höchste Genuss einer Abfahrt. Soll ich den auslassen und stattdessen auf einem bestenfalls Schotterweg extrem steil abfahren unter permanentem Einsatz der Bremsen? Ich meine „nein“.

Vergleicht man auf dem folgenden Bild die Kehren der Straße mit dem geradlinigen Verlauf der von Brouter vorgeschlagen Route (in blau), dann wird schnell klar, wie steil die Route ist, wenn die Straße eine mittlere Steigung in diesem Bereich von 10% hat. Sieht man vor Ort die Gelände Verhältnisse, dann meint man, dass die blaue Route nur im freien Fall gefahren werden kann. 

Auch in Italien gab es oft ähnliche Situationen. Wenn die Straße mehrere Kehren aufwies und der vorgeschlagene Radweg geradlinig an denselben Punkt kommt, dann kann man sich vorstellen. wie die Steigungsverhältnis sind. In der Regel habe ich dann die Straße gewählt.

Bei Orvieto bin ich gedankenlos der mit Komoot geplante Route gefolgt. Es ging mit 20% abwärts in das Tal und auf der anderen Seite ebenfalls mit 20% aufwärts. Alles in sehr rolligem Schotter, d. h., sehr langsam fahren, viel bremsen und beim Aufstieg rutschten die Schuhe weg. Unterwegs sah ich, dass die Straße dieses Tal mit einer Brücke übersprung.

Der Weg war schön, zweifellos. Aber lohnt sich der Aufwand?  Katrin Hollendung darf hier schieben, ich verzichte darauf.

In Italien sind Schotter und Steigung eine denkbar ungünstige Kombination. Da verzichte ich gerne darauf und nehme lieber die längere Straße mit etwas Verkehr.

Andere Verhältnisse sind in den Abruzzen. Will man in der Höhe bleiben, dann bleibt einem meistens keine andere Wahl, als Wege zu fahren.

Also will ich mich mal wagen, da rein zu fahren.

Der Weg war traumhaft schön, aber für mich mit dem Tourenrad, dem Gepäck und der mangelnde Übung sehr schwierig und sehr anstrengend zu fahren. 3 Mountainbiker sind mit ihren leichten und gefederten Rädern an mir vorbei gezischt. Die höhere Geschwindigkeit und die schwereren Felgen und Bereifung stabilisieren ihr Rad. Ich bin ein Teilstück zurück und wieder vorgefahren. Beim wiederholten Vorfahren fuhr ich schon schneller und habe die Stabilisierung durch die Geschwindigkeit gespürt.

Auf der Strecke zgab es drei Stürze ohne Schrammen und sonstige Folgen.

Für mich kommt es auf die Mischung an. Ich nehme gerne solche Teilstücke in Kauf, weil es ein tolles Erlebnis ist. Aber dann nehme ich auch gerne wieder die Straße, um etwas leichter und schneller voranzukommen.

Es kommt also immer darauf an.

Sonnige Tage

So schön wie der Abend aufgehört hat, so schön hat der Morgen begonnen.

Die Adria-Küste ist – außer an dieser Stelle –  auffallend sauber. Auch die Straßen sind besser als auf den übrigen Strecken. Die Küste ist jedoch dicht mit Hotels bebaut. Auch kleine Orte haben locker mal 3 bis 4 km mehrreihige Hotels.

Unterwegs habe ich einen Franzosen getroffen. Er ist von Ost nach West durch die Alpen geradelt und war nun auf dem Weg zur Stiefelspitze. Er fuhr auf der vielbefahrenen Superstrada. Mein Aufbau am Lenker ist für andere Radler seltsam. Er hat ihn interessiert. Als mit einem kurzen Zug an der Schnur die Karte aufpoppte, war er sehr überrascht und beeindruckt. Für mich wurde der Vorteil der Elektronik offenbar: nur damit habe ich den Radweg überhaupt entdeckt und ihn auch an schwierigen Stellen nicht verloren. Der Franzose fuhr im brausenden Verkehr daran vorbei, weil er es nicht wusste.

Bei sonnigem Wetter ist die Adria wirklich blau. Vor Rimini habe ich mir die Panoramastraße über diesen Höhenrücken gegönnt. Die 380 Höhenmeter waren locker zu fahren, die Sicht nach beiden Seiten schön, kaum Verkehr, dafür mehr Radler und unterwegs eine Bar.

Sand und Kies

Dieser Strand lockt keine Badegäste an. Zunächst ist mir aufgefallen, dass sich Kies- und Sandstrände abwechseln. An den Sandstränden stehen natürlich Hotels. Und hier… na klar: keine.

Dann ist mir aufgefallen, dass an den Sandstränden oft Buhnen senkrecht zu Küstenlinie angeordnet waren. Buhnen werden im Küstenschutz zur Landgewinnung eingesetzt und stehen senkrecht zur Uferlinie.

Es kam der Gedanke, dass die Buhnen zur Sandgewinnung gebaut wurden. Dem ist aber nicht so, denn auf  obigem Bild sind Buhnen (Begriff hier nicht ganz korrekt verwendet) längs der Küstenlinie zu sehen. Es ist wohl ein allgemeiner Küstenschhutz. Leider habe ich im Internet dazu keine Information gefunden.

Von der Panoramastraße konnte ich von oben auf das Geschehen blicken.

Hier sieht man gut, wie die Wellen durch die Lücke am rechten Bildrand weiter laufen, auf das Ufer treffen und den Sand aufwirbeln. Eine Strömung transportiert den Sand ab. Hier ist nicht zu klären, wie die Strömung zustande kommt.

Man könnte meinen, dass die hellen Sandwolken rechts mit einer Art Kehrwasser erst nach links und dann von Ufer weg transportiert werden. Dummerweise ist mir das nicht vor Ort sondern erst bei späterer Sichtung der Bilder aufgefallen und ich habe kein Video aufgenommen, das hier evtl. Aufklärung schaffen könnte 

Durch die kleine Lücke im linken Drittel laufen die Wellen ebenfalls durch und breiten sich danach kreisförmig aus. Ein schönes Beispiel für die Wellenausbreitung.

Hier wird klar, dass im offenen Meer eine Strömung herrscht. Anhand der Färbung ergibt sich, dass links eine hohe und rechts eine niedrigere Sandkonzentration vorliegt. Die Strömung verläuft also von links nach rechts und es ist mit Sicherheit eine Gezeitenströmung. Wer mehr über die Gezeiten in der Adria erfahren möchte, muss hier (S.112) nachlesen. 

An Ende der rechten Buhne fällt der markante Klarwasserbereich auf. Es ist zu sehen, dass sich an der Buhne die Wellen brechen und somit Wasser hinter die Buhne transportiert wird. Dieses Wasser muss abfließen, was hier offenbar nach links erfolgt. Dieses Phänomen kenne ich von den Sandbänken an der dänischen Nordseeküste. Dort wird durch die Brandung auf der Sandbank Wasser hinter die Sandbank transportiert. Die dadurch erzeugte Strömung längst der Uferlinie ist sehr stark und geht zwischen den Sandbänken ins offene Meer. Das ist für Schwimmer sehr gefährlich und es wird davor gewarnt. Wir sind immer auf die Sandbänke geschwommen und haben das spürbar erlebt.

Die Stömungen sind turbulent, was an der Grenzlinie klar – sandhaltig zu erkennen ist. Die Turbulenz sorgt für die Mischung der unterschiedlichen Ströme.

An der linken Buhne löst sich die Strömung im offenen Meer ab, was an dem zwar schwachen aber doch sichtbaren Konzentrationsunterschied zu erkennen ist.   

Das Wasser zwischen Buhne und Ufer auf der linken Seite ist schwach sandhaltig. Es hat eine deutlich andere Färbung als das stark sandhaltiger Wasser von rechts und die Strömung im offenen Meer. Es schiebt sich wie ein Keil zwischen diese beiden Strömungen. Das ist nur möglich, wenn es zwischen Buhne und Ufer von links nach rechts strömt.

Wie steht es nun mit der Sandanreicherung hinter Buhnen, die senkrecht zur Küstenlinie stehen? Natürlich hat auch die Küstenlinie einen Einfluss darauf, ob sich Sand ablagert oder nicht. In Buchten lagert sich meistens Sand ab. Die obigen Bilder sind am Ende meiner Fahrt entlang der Küste entstanden. Erst da wurde das Thema Sand oder Kies für mich interessant. Es fehlt deshalb eine genauere Beobachtung und weitere Bilder. Deshalb kann ich die Frage, ob sich hinter senkrecht angeordneten Buhnen Sand ablagert, nicht beantworten. Die oben dargestellten Strömungen und Sandgehalte legen es meines Erachtens aber sehr nahe, dass es so ist.

letzte Tage

Blick auf Rimini am Ende der Straße. Ganz rechts im Bild ist Cesenatico (Teutonensilo). Dort bin ich auf der Herfahrt gelandet. Vom Aufnahmestandort bis dahin sind es 45 km. Der historische Ortskern von Rimini hat einen Durchmesser von 1 km. Auf dem Rest reiht sich Hotel an Hotel in mehreren Reihen!!!

Ich bin noch bis Cesena gefahren. Unterwegs erwischte mich ein Gewitter und ich verbrachte mehrere Stunden incl. Zeltaufbau im Regen. Sowas erleichtert den Abschied. Von Cesena fuhr ich mit einem Regionalzug bis Bologna und von dort mit ÖBB nach München. Der Fahrradtransport war problemloser als in Deutschland .

Öbb

Ich sitze in Bologna im Eurocity der Öbb. Zuvor wurde ich auf dem Bahnsteig !!! begrüßt: „sie haben den Wagen 256 gebucht. Den gibt es heute nicht….“ Soeinen Empfang gibt es in Deutschland nicht. 

Auch wenn der Wagen fehlt, hat mein Rad einen Platz.

16 h saß ich mit Maske im Zug.

Bis München habe ich eine Karte für mich und eine für das Rad gebucht. Die galt für 3 Europäische Länder. Meine Karte von München nach Karlsruhe konnte ich online buchen, die Fahrradkarte nicht.

Dafür hatte ich in München incl. Umsteigen 7 min Zeit. Der Nahverkehr ist Ländersache. Jedes Land macht seine eigenen Regeln. Da die wenigsten Leute ihr Rad von Cesena nach Karlsruhe transportieren, befinden sich die Länderfahrradkarten ganz oben im Menü, in München natürlich die Bayerische. Zu allen Überfluss gibt es noch eine Bundesfahrradkarte. Die kann man aber nicht online sondern nur am Automat kaufen. das wäre die richtige für mich gewesen, wenn ich sie in der Tiefe der Menüs in weniger als 7 min gefunden hätte. Für diese Erkennnis habe ich zuhause am Internet einige Stunden verbracht. Ich bin mit einer Bayerischen und eine Baden-Württembergischen Fahrradkarte gefahren. Mit dem zuviel bezahlten Betrag kann die DB geschätzt 1 mm Gleis neu bauen.

Zuhause angekommen überraschte mich mein Gärtchen damit, dass es noch blühte.